Schweigende Schwingen

Das Mienenfeld liegt brach, kalt und hart.

Wie ein hungriger Aasgeier über seiner Beute,

Kreisend, lüstern…geduldig.

Der Moment hat sich im Krater verfangen.

Stille

Gebrochen von pochenden Trommeln.

Der Geier stürzt auf seine Beute,

Seine spitzen Krallen

Tief in sein Opfer rammend.

Die Trommeln verstummen,

Das Mienenfeld zerronnen.

 

 

©Lettercastle

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Machtlosigkeit der Macht

Es heißt,

Wissen ist Macht.

Doch was wenn Wissen statt Macht

Den Schaffenden schafft?

Ist es dann die Macht,

Die Machtlosigkeit erschafft?

 

Wenn wir die Uhr zurückdreh’n,

Uns selbst den Kopf verdreh’n,

Würden wir dann einen and’ren Weg gehen?

 

Es heißt,

Viele Wege führen nach Rom,

Doch keiner führt hinaus.

Die Stadt ist ein Kartenhaus,

Auf Trümmern und Träumen erbaut.

 

Wenn wir die Uhr zurückdreh’n,

Uns selbst den Kopf verdreh’n,

Würden wir dann einen and’ren Weg gehen?

 

Das Leben ist eine Einbahnstraße!

Ein Zurück, das gibt es nicht.

Wir haben die Pflicht,

Den Moment zu kosten,

Solange er noch frisch und saftig ist.

Wohin uns der Pfad wohl führt,

Das weiß keiner,

am Ende hoffentlich einer.

 

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Föhnfrisur

In der Stadt ist heut’ die Hölle los.

Menschenmassen! Ist das zu fassen!

 

Hexen erspähen das Getümmel

Und stürzen sich vom Himmel.

Dieses Spektakel lassen sie sich nicht entgehen!

Immerhin ist es nicht nur nett anzusehen.

 

Mit Föhnfrisur und noch rest-blau

Bahnen sie sich ihren Weg durch die Menge,

Zaubern große Schilder an die Wände

Auf denen die magischen Worte stehen:

 

SALE

 

So frohlocken sie:

Ihr Kinderlein kommet!

Tatsächlich! Groß und Klein greift zum Schein

Und besiegelt ohne Kummer und Sorgen

Die Nichtexistenz von Morgen!

 

 

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Verflossene Tage

Der Kaktus auf dem Fensterbrett,

Der hat’ ne satte Lichtfobie.

Verlorene Haare auf dem Bett.

Mein Hund, der hat’ ne Stauballergie.

 

Mein Bankkonto hat Magersucht.

Der Schwarztee bitter verzuckert

Am Morgen schmeckt nach saurer Sucht

Von Eifersucht verzogen, überfüttert.

 

Im Tagesblatt les’ ich den Satz:

„Vermisster wurde heut’ entdeckt.“

Als hätt’ ich selbst erspäht, den Schatz.

 

Ich beuge mich zu ihm hinab.

„Mein Freund, du schläfst mit den Fischen.“

Und trenne Nemos Kopf schnell ab.

 

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Das Zebra

Ist schwarz mit weißen Streifen.

Oder ist es doch weiß mit schwarzen Streifen?

 

Derartige Fragen beschäftigen die Menschen.

Das Zebra kann darüber nur lachen.

 

Worüber sich die Menschen Gedanken machen!

Das Zebra stellt sich hingegen die elementaren Fragen:

 

Warum hat der Löwe derart flauschiges Fell?

Wie wurde der Hals der Giraffe so lang?

Und warum laufen Antilopen so schnell?

 

 

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Augenblick,

Fortgetragen vom Wind.

Flüchtig, sanft

War deine Berührung.

 

 

Zurück wirst du

Niemals kehren.

Bist einzigartig.

Für immer verloren.

 

Der Geliebte der

Gegenwart,

Der sie nun mit der

Vergangenheit

Betrügt.

 

Gebrochene Herzen,

schlagend, rot,

voller Blut.

Die Liebe ist niemals

Tot.

 

©Lettercastle